Leseprobe

Obwohl es mein langersehnter dienstfreier Tag ist, hängen die Wolken schwer und trübe am grauen Himmel.

(Dabei wollte ich mich mit einem Spaziergang auf andere Gedanken bringen …)

Unter dem tränennahen Himmel sehen selbst die in den Schaufenstern ausgestellten neuen Kollektionen trist aus. Auch dem Werbeplakat für Essen fehlt es an Lebhaftigkeit.

(Aber ich kann auch nicht den ganzen Tag zu Hause rumhängen…)

Ich stelle mir vor, wie ich völlig allein in meiner dunklen Einzimmerwohnung hocke und meine Knie umschlinge. Schon der Gedanke daran weckt üble Erinnerungen. Mir wird ganz anders.

Mit den Fingern meiner rechten Hand fahre ich über die glatte Oberfläche des Brieföffners in meiner Jackentasche. Ich habe ihn vorhin erst in einem Krimskramsladen gekauft.

Aber jetzt weiß ich nicht einmal mehr, warum ich ihn haben wollte.

Im Geschäft kam es mir so vor, als müsste ich ihn haben …

(Wenn hier doch nur …)

Die Gestalt eines Mannes erscheint vor meinem inneren Auge. Ein wolfsartiges, kühnes Gesicht. Ein scharfsinniger Blick. Eine kräftige, hochgewachsene Statur. Wunderbar große, männliche Hände …

(Naotake … Kiryu …)

Tief in meinem Herzen sage ich diesen wundervollen Namen. Auch wenn es der Namen meines Vorgesetzten ist.

Allein der Gedanke an ihn lässt meinen Puls schneller schlagen.

(Wenn er doch bloß neben mir gehen würde … Vielleicht sogar Arm in Arm …)

Selbst der Brieföffner in meiner Tasche … Wenn Herr Kiryu ihn für gut befunden hätte, …

(… dann wäre er ein Erinnerungsstück für den Rest meines Lebens geworden …)

Aber …

(… selbst wenn wir zusammen hier wären, romantisch würde es wohl nicht werden.)

Ich seufze tief.

(Selbst wenn er hier wäre …)

Ich kann mir Herrn Kiryu nur von hinten vorstellen, wie er schnell voranschreitend mit hastigem Blick die Umgebung überprüft. Das wäre dann kein Date, sondern eine Patrouille.

(Herr Kiryu ist halt durch und durch Kommissar …)

(Aber … solange ich mit Herrn Kiryu zusammen sein kann, wäre mir selbst eine Patrouille recht …)

Wenn er von meinen Gefühlen wüsste, würde er mich dafür verabscheuen.

(… Seit diesem einen Tag vor 10 Jahren bewundere und eifere ich ihn nun schon nach …)

(Es würde mir schon ausreichen ihm eines Tages ebenbürtig zu sein …)

»Huch? Hallo!«

Eine unerwartete Stimme von hinten reißt mich aus meiner Tagträumerei.

»Takuya«

Es gibt nicht viele Menschen, mit denen ich so gut befreundet bin, dass sie mich auf offener Straße von hinten ansprechen würden. Eigentlich nur Takuya.

Ich drehe mich um und sehe wie erwartet meinen Nachbar, der sanft lächelnd vor mir steht.

Takuya Hioki.

»Musst du heute nicht arbeiten?«, fragt Takuya in einem so sanften Ton, dass ich den Schreck von eben vergesse.

»Ich hab heute frei. Und du?«

»Ich eigentlich auch.«

Takuya ist der Manager einer großen, nationalen Cafékette. Er hat mir mal erzählt, dass er am Wochenende von morgens bis abends beschäftigt sei und nur unter der Woche freinehmen könne. Obwohl er älter ist als ich, ist er so anhänglich, dass er mir fast wie ein kleiner Bruder vorkommt. Er ist einer der wenigen Menschen, denen ich ganz und gar ich selbst sein kann.

»Was für ein glücklicher Zufall, dass wir uns hier treffen. Hast du Lust auf einen Kaffee?«, schlage ich vorfreudig vor. Kaffeeklatsch mit Takuya ist vielleicht genau das, was ich an einem so trüben Tag brauche.

»Oh, das ist eine super Idee! … Wenn ich nicht blöderweise …«

Takuya macht ein niedergeschlagenes Gesicht, als er den Satz beendet.

»… gleich einen irre wichtigen Geschäftstermin hätte …«

»Ach so …«, gebe ich etwas geknickt zurück.

Er ist nun mal Manager.

Auskundschaften der Konkurrenz, studieren neuer Gerichte, überprüfen des Inventars. Er ist bestimmt auch an freien Tagen sehr beschäftigt.

»Na ja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.«, versuche ich etwas optimistischer nachzuschieben.

»Definitiv. Aber eine Schande ist es trotzdem. Wir haben sonst ja nie am gleichen Tag frei.«

»…. Vielleicht sollte ich den Termin einfach absagen.«

»Nein, das darfst du nicht!«

Jetzt komme mir wirklich vor, als würde ich meinen schmollenden kleinen Bruder schellten.

»Du bist Manager. Da kannst du nicht einfach so Termine absagen. Also geh jetzt los und sei erfolgreich!«

»Okay… Bis bald hoffentlich …!«

Er macht ein Gesicht wie ein ausgesetzter Welpe, winkt mir ein paar Mal und geht dann seiner Wege.

Ich sehe ihm dabei zu und muss ungewollt lächeln.

(Gott, wie süß…)

Das denke ich oft über Takuya.

(Ist er wirklich älter als ich?)

»…«

In diesem Moment wusste ich noch nicht, dass wir beobachtet wurden.

Ein Fremder hatte das zufällige Treffen und das kurze vertraute Gespräch aus der Ferne mitangesehen.

– Der junge Generalkommandant der internationalen Chatrade Group, Kaoru Jyosako.

(Der Mann eben muss der Manager vom Plue Rion sein …), denkt er als seine Augen die Szene aufsaugen und augenblicklich analysieren.

Also die Person, mit der er gleich verabredet ist.

(Aber das ist erstmal egal…)

Sein Augenmerk fällt auf die Frau, mit der er gesprochen hat.

(… Wer bist du? … Und warum interessiert mich das überhaupt?)

Lust auf mehr? Dann lade dir das Spiel gleich auf dein Handy und stürz dich in die Welt von PsychiXX!

DOWNLOAD


投稿日:

執筆者:

2020/09/12

Spielanleitung

2020/09/12

Otome Spiele

2020/08/15

Naotake Kiryu

2020/08/15

Die Story